Blutdruckwerte: systolisch und diastolisch erklärt

Blazz Redaktion

Blutdruckwerte: systolisch und diastolisch erklärt

Beim nächsten Arztbesuch heißt es: „130 zu 85, das ist noch okay.“ Viele nicken, ohne wirklich zu verstehen, was diese beiden Zahlen aussagen. Dabei steckt dahinter ein simples Prinzip, das sich in wenigen Minuten erschließt.

Was das Herz mit diesen Zahlen zu tun hat

Das Herz pumpt nicht gleichmäßig, sondern rhythmisch. Es zieht sich zusammen, treibt Blut in die Arterien, erschlafft dann wieder und füllt sich neu. Genau dieser Wechsel erzeugt zwei unterschiedliche Druckphasen im Gefäßsystem, die beim Messen als zwei Zahlen erscheinen.

Die erste, höhere Zahl heißt systolischer Wert. Sie entsteht in dem Moment, in dem der Herzmuskel sich maximal zusammenzieht, die sogenannte Systole. Das Blut wird mit Kraft in die großen Arterien gepresst, der Druck auf die Gefäßwände steigt auf seinen Höchstpunkt. Bei einem gesunden Erwachsenen mittleren Alters liegt dieser Wert typischerweise zwischen 110 und 120 mmHg.

Die zweite, niedrigere Zahl ist der diastolische Wert. Er beschreibt den Druck in der Entspannungsphase des Herzens, der Diastole. Das Herz füllt sich mit Blut, pumpt gerade nicht aktiv. Der Druck in den Arterien fällt auf sein Minimum. Gesunde Werte liegen hier meist zwischen 70 und 80 mmHg.

Wie Blutdruckmessung funktioniert

Die Einheit mmHg steht für Millimeter Quecksilbersäule. Historisch wurde Blutdruck tatsächlich über eine Quecksilbersäule gemessen. Heute arbeiten elektronische Geräte mit Drucksensoren, die Einheit blieb als Standard erhalten.

Eine Oberarmmanschette wird aufgepumpt, bis sie die Arterie vollständig komprimiert und kein Blut mehr durchfließt. Dann lässt das Gerät den Druck langsam ab. In dem Moment, in dem das Blut wieder anfängt zu fließen, entspricht der Manschettendruck dem systolischen Wert. Wenn die Strömung vollständig ungehindert läuft, wird der diastolische Wert registriert.

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Wichtig für korrekte Messwerte: fünf Minuten ruhig sitzen, keinen Kaffee in der Stunde davor, Arm auf Herzhöhe stützen. Ein einziger Messwert sagt wenig. Aussagekräftig wird das Bild erst durch drei bis fünf Messungen an verschiedenen Tagen, möglichst morgens vor der ersten Mahlzeit.

Welche Zahlen als normal gelten

Klassifikationen helfen dabei, Einzelwerte einzuordnen. Die Europäische Gesellschaft für Kardiologie unterscheidet folgende Bereiche:

Kategorie Systolisch (mmHg) Diastolisch (mmHg)
Optimal unter 120 unter 80
Normal 120 bis 129 80 bis 84
Hochnormal 130 bis 139 85 bis 89
Bluthochdruck Grad 1 140 bis 159 90 bis 99
Bluthochdruck Grad 2 160 bis 179 100 bis 109
Bluthochdruck Grad 3 180 und höher 110 und höher

Wer die eigenen Werte einordnen möchte oder verstehen will, was einzelne Messergebnisse im Alltag bedeuten, findet bei Blutdruckwerte und ihre Bedeutung eine detaillierte Übersicht, die auch Grenzfälle und Sonderkonstellationen berücksichtigt.

Wenn eine Zahl auffällt, die andere aber nicht

Ein häufig übersehenes Phänomen: Systolischer und diastolischer Wert entwickeln sich nicht immer parallel. Bei älteren Menschen über 60 steigt der systolische Wert oft deutlich an, während der diastolische stabil bleibt oder sogar sinkt. Der Abstand zwischen beiden Werten wird größer. Mediziner nennen das eine erhöhte Pulsamplitude oder isolierte systolische Hypertonie.

Der Grund liegt in versteiften Arterienwänden. Mit zunehmendem Alter verlieren die Gefäße an Elastizität. Beim Herzschlag können sie den Druckstoß nicht mehr so gut abfedern, der Spitzendruck steigt stärker an. Ein Wert von 160 zu 75 bei einem 70-Jährigen ist deshalb ein anderes klinisches Bild als derselbe Wert bei einem 40-Jährigen.

Umgekehrt gibt es Menschen, deren diastolischer Wert erhöht ist, der systolische aber noch im grünen Bereich liegt. Das kommt seltener vor, gilt aber als eigenständiger Risikofaktor und sollte ärztlich abgeklärt werden.

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Was den Blutdruck beeinflusst und was das für den Alltag bedeutet

Blutdruck ist keine starre Größe. Er schwankt über den Tag hinweg um 20 bis 30 mmHg, manchmal mehr. Morgens nach dem Aufstehen steigt er rasch an, nachmittags fällt er meist etwas ab, nachts sinkt er bei gesunden Menschen deutlich, oft um 10 bis 20 Prozent. Wer diesen nächtlichen Abfall nicht zeigt, trägt ein erhöhtes kardiovaskuläres Risiko.

Faktoren, die kurzfristig auf die Werte einwirken:

  • Körperliche Anstrengung: Systolischer Wert kann bei intensivem Sport auf 180 mmHg und mehr steigen, was physiologisch vollständig normal ist.
  • Stress und Aufregung: Das Nervensystem schüttet Adrenalin aus, die Herzfrequenz steigt, der Druck zieht an.
  • Koffein: Erhöht den Blutdruck kurzfristig um 5 bis 10 mmHg, der Effekt lässt nach etwa zwei Stunden nach.
  • Kälte: Zieht die Blutgefäße zusammen, der Widerstand steigt, der Druck erhöht sich.
  • Volle Blase: Kann den systolischen Wert um bis zu 15 mmHg nach oben treiben.

Langfristig entscheidend sind andere Parameter: Übergewicht, Bewegungsmangel, hoher Salzkonsum, Alkohol und Rauchen treiben den Blutdruck dauerhaft in die Höhe. Regelmäßige Ausdauerbelastung von mindestens 150 Minuten pro Woche senkt den systolischen Wert bei Hypertonikern nachweislich um 5 bis 8 mmHg, ohne ein einziges Medikament.

Blutdruckmessen zu Hause: Was funktioniert, was nicht

Häusliche Selbstmessung liefert wertvolle Daten, wenn sie konsequent und methodisch sauber durchgeführt wird. Ein gutes Oberarmgerät kostet zwischen 30 und 80 Euro und sollte eine Validierung durch eine anerkannte Gesellschaft tragen, erkennbar am entsprechenden Siegel auf der Verpackung.

Handgelenkmessgeräte sind bequem, aber fehleranfälliger. Die Arterie am Handgelenk liegt tiefer und ist dünner, kleine Positionsveränderungen verzerren die Werte stärker. Wer ein Handgelenkgerät nutzt, sollte es konsequent auf Herzhöhe halten.

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Sinnvoll ist ein Messprotokoll über zwei Wochen: morgens und abends je zwei Messungen im Abstand von einer Minute, den Durchschnitt notieren. Dieses Protokoll gibt dem Arzt eine verlässlichere Grundlage als einzelne Praxismessungen, bei denen allein das Arzt-Umfeld bei manchen Patienten den sogenannten Weißkitteleffekt auslöst und die Werte um bis zu 20 mmHg anhebt.

Zwei Zahlen, ein Herzschlag, ein Druckwechsel. Wer verstanden hat, was systolisch und diastolisch beschreiben, kann die eigenen Messwerte einordnen, Veränderungen erkennen und gezielt ansprechen, was beim nächsten Arztgespräch tatsächlich relevant ist.

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