KI-Kompetenz im Unternehmen: EU AI Act Schulung

Blazz Redaktion

KI-Kompetenz im Unternehmen: EU AI Act Schulung

Seit dem 2. August 2024 ist der EU AI Act in Kraft. Die erste Frist, die Unternehmen unmittelbar betrifft, lief am 2. Februar 2025 ab: Ab diesem Datum müssen alle Organisationen, die KI-Systeme einsetzen oder entwickeln, sicherstellen, dass ihre Mitarbeitenden über ausreichende KI-Kompetenz verfügen. Der englische Begriff lautet „AI Literacy“ und er steht im Artikel 4 der Verordnung. Was zunächst nach einer weichen Formulierung klingt, hat handfeste Konsequenzen.

Was Artikel 4 des EU AI Act tatsächlich fordert

Artikel 4 verpflichtet Anbieter und Betreiber von KI-Systemen, dafür zu sorgen, dass ihre Mitarbeitenden das nötige Wissen und die nötigen Fähigkeiten besitzen, um KI verantwortungsvoll einzusetzen. Das gilt nicht nur für Tech-Abteilungen. Wer im Vertrieb ein KI-gestütztes CRM-Tool nutzt, wer in der Personalabteilung Bewerbungsunterlagen per KI vorfiltern lässt oder wer im Kundenservice auf automatisierte Chatbots setzt, fällt unter diese Regelung.

Die Verordnung nennt dabei mehrere Faktoren, die bei der Einschätzung des erforderlichen Kompetenzniveaus zu berücksichtigen sind: den technischen Kenntnisstand der betreffenden Personen, den Kontext, in dem das KI-System eingesetzt wird, und die möglichen Auswirkungen des Systems auf Personen oder Prozesse. Eine einheitliche Mindestanforderung gibt es nicht. Das klingt nach Spielraum, ist aber eher eine Herausforderung: Unternehmen müssen selbst dokumentieren, warum sie welches Schulungsniveau für welche Rolle als ausreichend erachten.

Warum viele Unternehmen noch nicht compliant sind

Eine Umfrage des Digitalverbands Bitkom aus dem Frühjahr 2025 ergab, dass rund 60 Prozent der befragten deutschen Unternehmen noch keine strukturierten Maßnahmen zur KI-Kompetenzentwicklung eingeführt hatten. Der Hauptgrund: Unsicherheit darüber, was genau nachgewiesen werden muss. Hinzu kommt, dass die EU-Kommission bisher keine offiziellen Schulungsstandards oder anerkannten Zertifizierungsrahmen veröffentlicht hat.

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Das schafft ein praktisches Problem. Personalabteilungen und Compliance-Verantwortliche wissen, dass sie handeln müssen, aber es fehlt ein klarer Maßstab. In dieser Situation sind Zertifizierungsprogramme von spezialisierten Anbietern die pragmatischste Lösung, weil sie Nachweisbarkeit schaffen und Haftungsrisiken reduzieren.

Zertifizierung als dokumentierbarer Nachweis

Für Unternehmen, die einen strukturierten Weg suchen, ist eine externe Zertifizierung der derzeit verlässlichste Ansatz. Sie erfüllt zwei Funktionen gleichzeitig: Sie vermittelt tatsächlich Inhalte, und sie erzeugt ein Dokument, das im Zweifelsfall gegenüber Aufsichtsbehörden vorgelegt werden kann. Wer etwa das KI-Zertifikat von Provimedia absolviert, erhält nach erfolgreichem Abschluss einen personalisierten Nachweis, der konkrete Lerninhalte und Prüfungsergebnisse dokumentiert.

Wichtig beim Auswahl solcher Programme ist, dass sie inhaltlich auf den EU AI Act ausgerichtet sind. Allgemeine KI-Kurse, die lediglich erklären, wie große Sprachmodelle funktionieren, reichen nicht. Relevanter sind Themen wie die Risikoklassifizierung von KI-Systemen, grundlegende Rechte Betroffener, transparente Kommunikation beim KI-Einsatz gegenüber Kunden und die Frage, wer im Unternehmen bei KI-Entscheidungen Verantwortung trägt.

Welche Inhalte eine konforme Schulung abdecken sollte

Es gibt keine gesetzlich vorgeschriebene Kursliste, aber aus dem Wortlaut von Artikel 4 sowie dem gesamten Regelwerk des EU AI Act lässt sich ableiten, welche Themenblöcke sinnvoll sind:

  • Grundlagen des EU AI Act: Anwendungsbereich, Risikoklassen (minimal, begrenzt, hoch, inakzeptabel), Zeitplan der Fristen
  • Erkennung von Hochrisiko-KI: Welche Systeme fallen unter die strengen Anforderungen des Anhangs III der Verordnung
  • Transparenzpflichten: Wann muss ein Unternehmen offenlegen, dass eine KI beteiligt ist
  • Menschliche Aufsicht: Wie funktioniert „Human Oversight“ in der Praxis und welche Rollen sind zuständig
  • Datenschutz im KI-Kontext: Schnittstellen zur DSGVO, insbesondere bei personenbezogenen Trainingsdaten
  • Dokumentationspflichten: Was muss protokolliert werden, damit ein Audit bestanden werden kann
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Ein gutes Schulungsprogramm verbindet diese Theorie mit konkreten Szenarien aus dem Arbeitsalltag. Ein Beispiel: Wenn ein mittelständisches Handelsunternehmen sein Lagermanagement mit einem KI-System optimiert, das automatisch Bestellmengen festlegt, ist zu klären, ob dieses System unter die Hochrisiko-Kategorie fällt, wer dafür intern verantwortlich ist und wie die Entscheidungen des Systems nachvollziehbar dokumentiert werden.

Wer im Unternehmen geschult werden muss

Artikel 4 richtet sich an die gesamte Organisation, aber in der Praxis macht eine abgestufte Schulungstiefe Sinn. Nicht jeder Mitarbeitende braucht das gleiche Wissen.

Gruppe Empfohlenes Niveau Schwerpunktthemen
Führungskräfte und Geschäftsleitung Überblick und Haftungsverantwortung Risikoklassen, Compliance-Pflichten, Dokumentation
KI-nutzende Fachabteilungen Anwendungsbezogenes Grundwissen Transparenz, Menschliche Aufsicht, Datenschutz
IT und Entwicklung Technisch-regulatorisches Tiefenwissen Technische Dokumentation, Konformitätsbewertung
Compliance und Recht Vollständiges Regelwerk Gesamter AI Act, Schnittstellen zu DSGVO und Produkthaftung

Praktischer Einstieg für Unternehmen

Ein sinnvoller erster Schritt ist eine interne Bestandsaufnahme: Welche KI-Systeme werden im Unternehmen bereits genutzt, ob zugekauft oder selbst entwickelt. Dazu zählen auch SaaS-Tools mit eingebetteter KI-Funktionalität, zum Beispiel automatische E-Mail-Klassifizierung in Helpdesk-Software oder KI-gestützte Scoring-Modelle in der Kreditprüfung.

Auf Basis dieser Übersicht lässt sich bestimmen, welche Mitarbeitenden in welchem Umfang geschult werden müssen. Anschließend sollte die Schulung selbst dokumentiert werden, idealerweise mit Teilnahmebestätigungen, Prüfungsergebnissen und einer internen Übersicht, wer wann welches Modul absolviert hat. Diese Dokumentation ist im Falle einer Prüfung durch nationale Marktüberwachungsbehörden der entscheidende Nachweis.

Unternehmen, die jetzt handeln, verschaffen sich zudem einen Wettbewerbsvorteil. Auftraggeber aus dem öffentlichen Sektor und aus größeren Konzernen fragen KI-Compliance bei Lieferanten und Dienstleistern zunehmend aktiv ab. Wer zertifizierte Mitarbeitende vorweisen kann, hat in Vergabeverfahren und Vertragsverhandlungen ein konkretes Argument auf seiner Seite.

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