Gin selber mixen: Einsteigerrezepte für die Hausbar

Blazz Redaktion

Gin selber mixen: Einsteigerrezepte für die Hausbar

Gin hat in den letzten Jahren eine bemerkenswerte Karriere hingelegt. Was lange als Nischenprodukt galt, steht heute in den meisten Supermärkten, Fachhändlern und Bars. Wer zuhause mixt, braucht kein Barschul-Diplom und keine hundert Flaschen. Drei solide Gins, ein paar frische Zutaten und das Verständnis für ein paar Grundprinzipien reichen aus, um Drinks zu servieren, die weit über den Standard-Gin-Tonic hinausgehen.

Was Gin eigentlich ist und warum das beim Mixen zählt

Gin ist ein Wacholderdestillat. Das klingt simpel, bedeutet aber: Wacholder muss per Definition die dominierende Geschmacksnote sein. Alles andere, also Zitrusschalen, Koriander, Angelikawurzel, Kardamom oder Ingwer, sind Botanicals, die der Hersteller frei kombinieren kann. Deshalb schmecken zwei Gins aus derselben Preisklasse fundamental unterschiedlich. Ein London Dry Gin wie Tanqueray oder Beefeater ist klar, trocken und von Wacholder geprägt. Ein New Western Gin wie Hendrick’s setzt stärker auf Gurke und Rose. Diese Unterschiede bestimmen, welcher Cocktail mit welchem Gin funktioniert. Wer das ignoriert, wundert sich, warum sein Negroni nach Seife schmeckt.

Grundlegende Informationen zur Spirituosengesetzgebung, also was offiziell als Gin verkauft werden darf, regelt in der EU die entsprechende Verordnung. Eine gute Übersicht dazu bietet der Wikipedia-Artikel zu Gin, der auch die verschiedenen Stilrichtungen von Compound Gin bis Sloe Gin klar voneinander abgrenzt.

Das Basisequipment: Was wirklich gebraucht wird

Wer ohne Ausrüstung loslegt, scheitert nicht am Geschmack, sondern an den Mengenverhältnissen. Ein Jigger, also ein doppelseitiges Messbecher-Tool mit 2 cl und 4 cl Eichung, kostet unter 10 Euro und ist das wichtigste Stück. Dazu kommen ein Barlöffel zum Rühren, ein Cocktailshaker (Boston Shaker oder Cobbler-Shaker, je nach Vorliebe) und ein Sieb für Eiswürfelreste. Wer Cocktails auf Eis serviert, braucht außerdem große Eiswürfel. Kleine Würfel schmelzen schneller und verwässern den Drink deutlich schneller. Silikonformen für 4×4 cm Würfel gibt es für unter 8 Euro.

  • Jigger (2 cl / 4 cl)
  • Barlöffel (mindestens 30 cm lang)
  • Shaker (Cobbler oder Boston)
  • Hawthorne-Sieb oder Julep-Sieb
  • Eiswürfelform für große Würfel
  • Highball-Glas und Coupette als Mindest-Glasauswahl
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Drei Rezepte, die wirklich funktionieren

Gin Tonic mit Botanicals garnieren

Das Grundrezept kennt jeder: 4 cl Gin, 12 cl Tonic Water, großes Eis. Was den Unterschied macht, ist die Tonic-Wahl. Schweppes Indian Tonic ist neutral und passt zu fast allem. Fever-Tree Mediterranean Tonic bringt eigene Kräuternoten mit, die zu floralen Gins passen, aber einen klassischen London Dry überlagern können. Die Garnierung sollte zum Gin passen: Zitronenschale zu Wacholder-betonten Gins, Gurke zu Hendrick’s, frischer Rosmarin zu mediterranen Stilen. Nicht alles auf einmal, sonst schmeckt man gar nichts mehr.

Negroni: der Drei-Zutaten-Klassiker

Gleiche Teile, starkes Ergebnis: 3 cl Gin, 3 cl roter Wermut (Carpano Antica Formula oder Martini Rosso), 3 cl Campari. Alles in ein mit Eis gefülltes Rührglas geben, 30 Sekunden rühren, in ein mit einem großen Eiswürfel bestücktes Tumbler-Glas abseihen. Orangenschale ausdrücken und über den Drink halten. Wichtig: Beim Negroni wird gerührt, nicht geschüttelt. Schütteln würde den Drink trüb machen und Luftbläschen einarbeiten, die die Textur verändern. Für dieses Rezept eignet sich ein kräftiger, wacholderlastiger Gin besser als ein blumiger New Western Style.

Gimlet: frisch und unterschätzt

4 cl Gin, 2 cl frisch gepresster Limettensaft, 1 cl Zuckersirup (1:1, also gleiche Teile Zucker und Wasser, kalt aufgelöst). Alles mit viel Eis shaken, doppelt abseihen, in eine gekühlte Coupette geben. Der Gimlet zeigt sofort, wenn der Gin zu blumig ist: Die Limette schneidet durch alles durch und braucht einen Gin, der dagegenhält.

Der richtige Gin für das Budget

Eine eigene Hausbar aufzubauen muss keine teure Angelegenheit sein. Im Discount-Bereich hat sich das Angebot in den letzten Jahren deutlich verbessert. Wer beim Einkauf sparen will, ohne auf Qualität zu verzichten, findet etwa beim Netto Gin Sortiment Flaschen, die für Einsteiger-Rezepte absolut ausreichen. Für komplexere Drinks lohnt dann der Griff zu einem dedizierten Craft-Gin aus dem Fachhandel.

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Als grobe Orientierung: Für Cocktails mit vielen anderen Zutaten wie Negroni oder Gimlet muss der Gin nicht 40 Euro kosten. Er sollte sauber destilliert sein und keine Fehltöne haben. Für einen Martini oder einen Gin Tonic mit wenigen Zutaten darf es gerne eine Stufe höher gehen, weil der Gin hier wenig Versteck hat.

Cocktail Gin-Stil Empfohlene Preisklasse
Gin Tonic London Dry oder New Western ab 15 Euro
Negroni London Dry (kräftig) ab 12 Euro
Gimlet London Dry oder Navy Strength ab 12 Euro
Martini Premium London Dry ab 25 Euro

Alkohol zuhause: Was rechtlich und gesundheitlich gilt

Gin aus dem Supermarkt kaufen und zuhause Cocktails mixen ist selbstverständlich legal. Wer jedoch selbst Gin brennen oder destillieren möchte, betritt schnell verbotenes Terrain. In Deutschland ist das Brennen von Alkohol ohne Zulassung strafbar. Das Bundesfinanzministerium gibt Auskunft über die geltenden Steuer- und Zulassungsregeln für Hausbrennereien. Für die allermeisten Hobbybarkeeper ist das kein Thema, es lohnt sich aber, den Unterschied zwischen Mixen und Herstellen zu kennen.

Gin enthält in der Regel 40 bis 47 Prozent Alkohol. Navy-Strength-Gins kommen auf 57 Prozent. Bei mehreren Cocktails in einer Runde summiert sich das schnell. Das ist keine Moralpredigt, sondern ein praktischer Hinweis für das Abmessen: Wer die Mengen nicht kontrolliert, verliert auch die Qualität des Drinks aus dem Blick.

Einstieg ohne Umwege

Wer jetzt loslegen will: eine Flasche London Dry Gin (z.B. Beefeater oder Tanqueray), eine Flasche Campari, eine Flasche roter Wermut, Fever-Tree Tonic Water und frische Limetten. Damit lassen sich Gin Tonic, Negroni und Gimlet umsetzen, also drei grundverschiedene Cocktails aus einem überschaubaren Einkauf. Equipment für unter 25 Euro dazu, und die Hausbar steht. Der Rest entwickelt sich durch Ausprobieren schneller, als man denkt.

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