Immobilien als Altersvorsorge: Verkaufen und neu kaufen

Blazz Redaktion

Immobilien als Altersvorsorge: Verkaufen und neu kaufen

Wer eine Immobilie besitzt, sitzt oft auf einem erheblichen Vermögen, ohne es aktiv zu nutzen. Gerade für Menschen zwischen 50 und 65 Jahren stellt sich die Frage, ob das Eigenheim so bleiben soll, wie es ist, ob ein Verkauf sinnvoller wäre und wie ein Neukauf in die Altersvorsorge passt. Die Antwort hängt von mehreren Faktoren ab: dem aktuellen Marktwert der Immobilie, den eigenen Plänen für den Ruhestand und der steuerlichen Situation.

Was das Eigenheim wirklich wert ist

Viele Eigentümer unterschätzen den aktuellen Marktwert ihrer Immobilie. Wer vor 20 oder 25 Jahren gekauft hat, hat in vielen deutschen Städten und Landkreisen eine deutliche Wertsteigerung erlebt. Laut Statistisches Bundesamt stiegen die Kaufpreise für Wohnimmobilien in Deutschland zwischen 2010 und 2022 im Bundesdurchschnitt um über 90 Prozent. Das bedeutet: Ein Haus, das 2003 für 220.000 Euro erworben wurde, kann heute in einem mittelgroßen Ballungsraum problemlos 420.000 bis 480.000 Euro wert sein.

Bevor irgendetwas entschieden wird, braucht es eine solide Wertermittlung. Kein Makler-Bauchgefühl, sondern ein Verkehrswertgutachten eines zertifizierten Sachverständigen. Die Kosten dafür liegen zwischen 1.500 und 3.000 Euro, sind aber gut investiertes Geld, wenn anschließend eine sechsstellige Summe auf dem Spiel steht.

Steuern beim Hausverkauf: Die Spekulationsfrist beachten

Wer eine Immobilie verkauft, muss unter Umständen Spekulationssteuer zahlen. Entscheidend ist die sogenannte Zehn-Jahres-Frist nach Paragraf 23 des Einkommensteuergesetzes. Wer sein Haus länger als zehn Jahre besessen hat oder es zuletzt selbst bewohnt hat, zahlt in der Regel keine Steuer auf den Veräußerungsgewinn. Den genauen Gesetzestext findet man direkt bei gesetze-im-internet.de. Wer dagegen eine vermietete Zweitimmobilie verkauft, die weniger als zehn Jahre im Besitz war, muss den Gewinn mit dem persönlichen Steuersatz versteuern. Bei 200.000 Euro Gewinn und einem Steuersatz von 42 Prozent sind das 84.000 Euro Steuerlast.

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Das klingt brutal, lässt sich aber mit Planung abfedern. Wer den Verkauf noch ein oder zwei Jahre verzögern kann, bis die Frist abgelaufen ist, spart sich erhebliche Beträge. Gleichzeitig sollte der Erlös nicht einfach auf dem Girokonto geparkt werden.

Neukauf als Strategie: Kleiner wohnen, mehr Kapital freisetzen

Das klassische Modell für den Übergang in die Rente: Das große Familienhaus, in dem die Kinder längst ausgezogen sind, wird verkauft. Dafür wird eine kleinere, barrierefreie Wohnung oder ein kompakteres Haus gekauft. Der Unterschied im Kaufpreis, zum Beispiel 180.000 Euro aus einem Verkaufserlös von 450.000 Euro minus Kaufpreis von 270.000 Euro, fließt als Liquidität in die Altersvorsorge.

Dabei gibt es zwei Wege: Das freie Kapital wird konservativ angelegt, etwa in Tagesgeld, Anleihen oder einem breit diversifizierten ETF-Portfolio. Oder es wird erneut in eine Immobilie investiert, diesmal als Renditeobjekt, das monatliche Mieteinnahmen generiert. Letzteres ist komplexer, bietet aber bei richtiger Auswahl einen verlässlichen Einkommensstrom im Alter.

Wer sich für die Kapitalanlage-Route interessiert und Orientierung bei Finanzthemen sucht, findet bei Finanz Echo redaktionelle Einordnungen zu verschiedenen Anlagestrategien, die beim Einordnen eigener Entscheidungen helfen können.

Was ein Renditeobjekt leisten muss

Nicht jede Immobilie taugt als Kapitalanlage. Grobe Faustregel: Der Kaufpreis sollte nicht mehr als das 25-fache der Jahreskaltmiete betragen. Wer also eine Wohnung für 240.000 Euro kauft, braucht eine Jahreskaltmiete von mindestens 9.600 Euro, also 800 Euro im Monat. Liegt der Faktor bei 30 oder höher, wie es in München oder Hamburg oft der Fall ist, rechnet sich das Objekt im Normalfall nicht mehr aus eigener Kraft.

  • Lage: Städte mit stabiler Nachfrage und Bevölkerungswachstum bevorzugen
  • Zustand: Sanierungsstau kostet nach dem Kauf schnell 30.000 bis 80.000 Euro
  • Nebenkosten: Grunderwerbsteuer (je nach Bundesland 3,5 bis 6,5 Prozent), Notar, Makler rechtzeitig einkalkulieren
  • Verwaltung: Selbstverwaltung spart Kosten, bindet aber Zeit, was im Alter ein Thema werden kann
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Finanzierung im Alter: Was Banken verlangen

Ein unterschätzter Aspekt: Wer mit 60 Jahren noch eine Immobilie finanzieren will, stößt bei Banken auf andere Bedingungen als mit 35. Viele Institute wollen, dass ein Darlehen bis zum 75. oder 80. Lebensjahr vollständig getilgt ist. Bei einem Kredit über 150.000 Euro und 15 Jahren Laufzeit bedeutet das eine monatliche Belastung von rund 950 bis 1.100 Euro, abhängig vom Zinssatz. Das funktioniert nur, wenn die Rente oder andere Einnahmen das tragen.

Sinnvoller ist es deshalb oft, den Neukauf komplett oder zu einem großen Teil aus dem Verkaufserlös zu finanzieren und schuldenfrei ins Rentenalter zu gehen. Wer mit 65 Jahren keine Hypothek mehr trägt, hat deutlich mehr finanziellen Spielraum, selbst wenn die gesetzliche Rente moderat ausfällt.

Der Zeitpunkt entscheidet

Immobilienmärkte sind regional sehr unterschiedlich. Während in Teilen Ostdeutschlands oder strukturschwachen Landkreisen die Preise stagnieren oder fallen, sind attraktive Lagen in Großstadtnähe weiterhin gefragt. Wer jetzt verkauft, tut das in einem Markt, der sich nach dem Preisrückgang 2022 bis 2024 in vielen Regionen stabilisiert hat. Vollständige Marktdaten und Preisentwicklungen nach Regionen veröffentlicht das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung regelmäßig und liefert damit eine verlässliche Grundlage für Verkaufsentscheidungen.

Grundsätzlich gilt: Den perfekten Zeitpunkt gibt es nicht. Wer wartet, bis der Markt wieder auf dem Höchststand ist, wartet möglicherweise zu lange und verliert wertvolle Jahre für die Neuausrichtung seiner Finanzen. Besser ist es, auf Basis realistischer Zahlen zu entscheiden, als auf den nächsten Boom zu spekulieren.

Fazit: Immobilien sind kein Selbstläufer

Eine Immobilie ist kein automatischer Garant für eine sorgenfreie Rente. Wer sie clever einsetzt, also den richtigen Zeitpunkt für Verkauf und Neukauf wählt, Steuerfallen umgeht und den Erlös gezielt reinvestiert, kann daraus eine sehr solide Säule der Altersvorsorge machen. Das erfordert aber Planung, konkrete Zahlen und im Zweifel professionelle Beratung durch einen unabhängigen Finanzberater oder Steuerexperten, der keine Provision an einen Produktanbieter bindet.

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